Wege aus der Betriebsblindheit

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Betriebsblind

In den ersten Tagen und Wochen in einem neuen Job fallen Mitarbeitern viele Dinge auf, die nicht rund laufen und dringend optimiert werden müssten. Das sind Abläufe und Prozesse, Aufgabenverteilungen oder die zur Verfügung stehenden Tools. Mit der Zeit schleicht sie sich dann ein – langsam und unbemerkt: die Betriebsblindheit.

Betriebsblindheit ist ein Zustand, der sich – unabhängig von Alter, Bildungsgrad und beruflicher Position – durch routinierte Arbeiten einstellt und der dazu führt, dass die Arbeit und die Arbeitsprozesse nicht mehr hinsichtlich ihres Sinns und ihrer Effizienz hinterfragt werden. Die anfallende Arbeit wird einfach ausgeführt. Nicht selten hört man in diesem Kontext auf Nachfrage die Antwort: „Das war schon immer so!“

Nein, es ist nicht alles nur schlecht. Mit der Betriebsblindheit einher geht auch eine Routine, die uns die Arbeit leichter und schneller von der Hand gehen lässt, weil wir die Prozesse und Arbeitsschritte gut genug kennen und nicht mehr hinterfragen müssen.

Das Ziel ist es also nicht, die Betriebsblindheit als Ganzes zu bekämpfen, sondern vielmehr das Gute, also die Routine, zu bewahren und das Hinderliche, den fehlenden kritischen Blick auf die Ziele, Methoden und Arbeitsprozesse wiederherzustellen. Wie kann diese Balance gelingen?

Drei Wege aus der Betriebsblindheit

  1. Nehmen Sie Rückmeldungen, Fragen und Wunschäußerungen von Kunden ernst. Das effektivste Instrument ist, dieses Feedback bereits vom Kundenservice systematisch aufnehmen zu lassen. Wenn Sie denken, dass Ihre Unternehmensstruktur und Ihre Produkte perfekt sind, müssen Sie sich nur die Kundenrückmeldungen ansehen, um eine andere – und vielleicht die entscheidende – Meinung vor Augen gehalten zu bekommen. Auch eine systematische Kundenbefragung kann ein Weg aus der Betriebsblindheit sein.
  2. Nehmen Sie nichts für selbstverständlich. Hinterfragen Sie die gesetzten Ziele (Ist X wirklich das, was wir wollen und was unser Unternehmen weiterbringt?), die aktuellen Prozesse (Ist der Prozess so wirklich effektiv? Werden Expertisen bestmöglich eingesetzt? Bieten uns die Prozesse die bestmögliche Sicherheit, Kosteneffizienz und Flexibilität?) und auch die aktuellen Tools, die Sie verwenden (Erfüllt das Tool X unsere Bedürfnisse? Reiht es sich nahtlos in unsere Prozesse ein? Gibt es effektivere und kostengünstigere Alternativen?). Sie merken schon: Alles kann hinsichtlich der Optimierungsmöglichkeiten hinterfragt werden. Aber nicht jederzeit. Nutzen Sie ruhigere Arbeitstage für ein gezieltes Hinterfragen. Oder tragen Sie sich (und Ihrem Team) regelmäßige Termine im Kalender ein, um gezielt zu analysieren, was Sie Kraft, Zeit und Nerven raubt. Quasi als Anti-Betriebsblindheitstermine. Trott und Routine haben hier keinen Raum. Meist dringt man auf diesem Weg sehr schnell zu den wirklich drängenden Themen vor.
  3. Bitten Sie Kollegen aus anderen Bereichen Ihre Arbeitsabläufe, Prozesse und Ergebnis mit den Augen eines Externen zu betrachten. Wenn Ihnen die Kollegen offen rückmelden, was sie sehen, wahrnehmen und wo sie Optimierungsbedarf sehen, sollten Sie nur zuhören. Sie müssen sich nicht rechtfertigen, nicht erklären und nicht ad hoc Pläne schmieden. Stellen Sie nur Fragen, um sicherzustellen, dass Sie die Rückmeldung auch wirklich verstehen. In einem nächsten Schritt können Sie in der Abteilung oder im Leitungsteam (ehrlich!) hinterfragen, an welchen der genannten Stellen tatsächlich Handlungsbedarf besteht und wie sie die Ziele, Arbeitsprozesse und Produkte optimieren können.

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