Wege aus der Betriebsblindheit

500 200 Anke Staudacher
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In den ersten Tagen und Wochen in einem neuen Job fallen Mitarbeitern viele Dinge auf, die nicht rund laufen und dringend optimiert werden müssten. Das sind Abläufe und Prozesse, Aufgabenverteilungen oder die zur Verfügung stehenden Tools. Mit der Zeit schleicht sie sich dann ein – langsam und unbemerkt: die Betriebsblindheit.

Betriebsblindheit ist ein Zustand, der sich – unabhängig von Alter, Bildungsgrad und beruflicher Position – durch routinierte Arbeiten einstellt. Sie führt dazu, dass Mitarbeiter ihre Arbeit und die Arbeitsprozesse nicht mehr hinsichtlich ihres Sinns und ihrer Effizienz hinterfragen. Sie führen die anfallenden Aufgaben aus und hören sich früher oder später sagen: „Das war schon immer so!“

Nein, Betriebsblindheit ist nicht nur schlecht. Sie geht mit Routine einher, die uns die Arbeit leichter und schneller von der Hand gehen lässt, weil wir die Prozesse und Arbeitsschritte gut genug kennen und nicht mehr hinterfragen müssen.

Das Ziel ist es also nicht, die Betriebsblindheit als Ganzes zu bekämpfen, sondern vielmehr das Gute, also die Routine, zu bewahren und das Hinderliche, den fehlenden kritischen Blick auf die Ziele, Methoden und Arbeitsprozesse wiederherzustellen. Wie kann diese Balance gelingen?

Drei Wege aus der Betriebsblindheit

  1. Nehmen Sie Rückmeldungen, Fragen und Wunschäußerungen von Kunden ernst. Das effektivste Instrument ist, dieses Feedback bereits vom Kundenservice systematisch aufnehmen zu lassen – oder, je nach Unternehmensgröße, dies im Kundenkontakt selbst zu notieren. Wenn Sie denken, dass Ihre Unternehmensstruktur und Ihre Produkte perfekt sind, müssen Sie sich nur die Kundenrückmeldungen ansehen, um eines besseren belehrt zu werden. Auch eine systematische Kundenbefragung kann ein Weg aus der Betriebsblindheit sein.
  2. Nehmen Sie nichts für selbstverständlich. Planen Sie Zeiten ein, um beispielsweise die gesetzte Ziele Prozesse, Produkte oder tools zu hinterfragen:
    Die Ziele: Ist X wirklich das, was wir wollen und was unser Unternehmen weiterbringt?
    Die aktuellen Prozesse: Ist der Prozess so wirklich effektiv? Was würde die Prozesse noch effektiver gestalten? Werden Expertisen bestmöglich eingesetzt? Bieten uns die Prozesse die bestmögliche Sicherheit, Kosteneffizienz und Flexibilität?
    Tools, die Sie verwenden: Erfüllt das Tool X unsere Bedürfnisse? Reiht es sich nahtlos in unsere Prozesse ein? Gibt es effektivere und kostengünstigere Alternativen?.
    Sie merken schon: Alles kann hinsichtlich der Optimierungsmöglichkeiten hinterfragt werden. Aber nicht jederzeit. Nutzen Sie ruhigere Arbeitstage für ein gezieltes Hinterfragen oder tragen Sie sich (und Ihrem Team) regelmäßige Termine im Kalender ein, um zu analysieren, was Sie Kraft, Zeit und Nerven raubt. Quasi als „Anti-Betriebsblindheitstermine“. Trott und Routine haben hier keinen Raum. Meist dringt man auf diesem Weg sehr schnell zu den wirklich relevanten Themen vor.
  3. Bitten Sie Kollegen aus anderen Bereichen Ihre Arbeitsabläufe, Prozesse und Ergebnis mit den Augen eines Externen zu betrachten. Wenn Ihnen die Kollegen offen rückmelden, was sie wahrnehmen und wo sie Optimierungsbedarf sehen, sollten Sie nur zuhören. Sie müssen sich nicht rechtfertigen, nicht erklären und nicht ad hoc Pläne schmieden. Stellen Sie nur Fragen, um sicherzustellen, dass Sie die Rückmeldung auch wirklich verstehen. In einem nächsten Schritt können Sie in der Abteilung oder im Leitungsteam (ehrlich!) hinterfragen, an welchen der genannten Stellen tatsächlich Handlungsbedarf besteht und wie sie die Ziele, Arbeitsprozesse und Produkte optimieren können.

Viel Erfolg auf dem Weg aus der Betriebsblindheit!

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